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Werkstatt-Talk: Das Soziale neu denken

„Kann man soziale Herausforderungen durch neue Denkmodelle und Handlungsansätze anders gestalten?“ Über diese Frage haben Hubertus Heil (Bundesminister für Arbeit und Soziales) und Hans-Joachim Lenke (Vorstandssprecher Diakonie in Niedersachsen) mit Dr. Jens Rannenberg (Vorstand der Dachstiftung Diakonie) und Karin Hamori (Diakonische Betriebe Kästorf) diskutiert. Zu Gast war die Talk-Runde am 22. Juli in der Kfz-Werkstatt der Diakonischen Betriebe Kästorf. Moderiert wurde die Veranstaltung von Katharina Schreiber-Hagen, Chefredakteurin beim Evangelischen Kirchenfunk.

Menschen sind auf starken Sozialstaat angewiesen

In seinem Eingangsstatement warf Hubertus Heil einen Blick auf die Hochwasserkatastrophe und die Corona-Pandemie. Die berührenden Erfahrungen zeigten, „dass in Krisen welcher Art auch immer, vor allem die zu leiden haben, die besonders verletzlich sind: Kinder, Jugendliche, ältere Menschen und Vorerkrankte.“ Das sei eine bedrückende Erkenntnis der vergangenen eineinhalb Jahre. Der Bundesminister betonte weiter, dass beide Krisen– die aktuelle Hochwasserkatastrophe und die Corona-Pandemie – verdeutlichten, dass von heute auf morgen alle Menschen auf einen starken Sozialstaat angewiesen sein können.

Corona-Krise als Stresstest 

Diakonie-Vorstandssprecher  Hans-Joachim Lenke forderte: „Wir müssen die Stimme für das Soziale erheben und das Soziale neu denken!“ Die Pandemie habe die vielfältigen Herausforderungen im sozialen Sektor sehr deutlich gemacht. „Wir wollen gemeinsam darüber nachdenken, wie wir als Gesellschaft das Soziale weiterentwickeln können.“ Hubertus Heil begrüßte diese Bereitschaft. Die Corona-Krise sei ein Stresstest dieser Generation für das Soziale und man müsse nun schauen, was funktioniert hat und was nicht. Dazu gehöre beispielsweise eine grundlegende Erneuerung des Grundsicherungssystems.

 Arbeit muss sich lohnen

Die Auswirkungen der vergangenen anderthalb Jahre beschrieb Karin Hamori, die in den Diakonischen Betrieben für den Bereich der Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) zuständig ist: „Corona hat auch in unseren Diakonischen Betrieben für Probleme gesorgt. Manche Mitarbeitende kamen mit der Kurzarbeit nicht zurecht, ihnen fehlte die gewohnte Tagesstruktur. Gerade unsere Kolleginnen und Kollegen mit seelischen Krankheiten oder anderen Einschränkungen haben darunter gelitten“. Sie betonte, Arbeit müsse auch anerkannt werden und sich lohnen. Sie schloss sich inhaltlich damit der Forderung des Bundesministers an, das Grundsicherungssystem zu reformieren.

Mehr tun für Kinder und Jugendliche 

Auch Kinder und Jugendliche müssten besser unterstützt und geschützt werden. „Das Homeschooling habe in den Einrichtungen der Jugendhilfe noch verhältnismäßig gut geklappt“, so Hans-Joachim Lenke. Aber in vielen Familien gab es Probleme: Die Internetleitung war nicht stabil, mehrere Geschwisterkinder mussten sich ein Endgerät teilen und Unterstützung fehlte. „Wir haben unsere Kinder vernachlässigt und tun das immer noch“, resümierte Dr. Jens Rannenberg. „In anderen Ländern wurden andere Lösungen für die Kinder gefunden und Schulen blieben geöffnet.“

Gleichwohl seien die vergangenen Monate aber auch ein Innovationsmotor gewesen. „Corona hat bei uns im Unternehmen dazu geführt, dass wir unsere Kommunikationskultur grundlegend geändert haben“, erläuterte Dr. Jens Rannenberg. Vieles fände digital statt, was auch einen positiven Aspekt in Richtung Nachhaltigkeit habe.

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