Apokalyptisches Orgelspiel und detaillierte Kirchenkunde: Bei der Gemeindeversammlung, dem „Treffpunkt Diakoniegemeinde“, am vergangenen Sonntag wurde einiges geboten: Pastor Matthias Stahlmann führte unter dem Titel „Luken und Lauschen“ in Bilder und Architektur der Stiftskirche ein und Kirchenmusiker Michael Kuhlmann bot an Orgel und Flügel passende Stücke und Mitsinglieder zu den Themen und die 30 Gemeindeglieder und Interessierten zeigten sich beeindruckt.
Wissenswertes aus der Geschichte der Kirche:
- Die für umgerechnet 1,3 Millionen Euro geplante Stephansstiftskirche kostete zuletzt über 3,5 Millionen und wurde 1895 eigeweiht.
- Das mittlere Altarfenster von 1948 zeigt Christus als strengen Weltenherrscher, „der tief in die sündigen und verlorenen Seelen der versammelten Gemeinde blickt“, so Stahlmann. Das pessimistische Menschenbild des 19. Jahrhunderts, das weit ins 20. Jahrhunderte fortwirkte, ließ Kuhlmann durch ein apokalyptisches Orgelspiel spürbar werden.
- Das linke Altarfenster zeigt die Gerechtigkeit, die Menschen suchen durch das Gleichnis vom sprichwörtlichen barmherzigen Samariter, das rechte die Geschichte vom Heiligen Stephanus, dem Namensgebers des Stephansstiftes. Er wird gesteinigt, weil er sich für die Gerechtigkeit Gottes einsetzt, also diakonisches Tun nicht nur Reparaturbetrieb sieht, sondern sich in die Anwaltschaft für die Benachteiligten stellt. Stahlmann zitierte den früheren hannoverschen Diakoniepastor Walter Lampe: „Diakonie ist Helfen unter Protest!“
- Die Kanzel zeigt vier Erzväter und -mütter der modernen Diakonie in erst 12 Jahren alten Porträts von Michael Triegel, deren jeweilige Leben Stahlmann auch kurz skizzierte. So den „Großmeister der heutigen Diakonie: Johann Hinrich Wichern 1808-1881, Gründer und Leiter des Rauhen Hauses in Hamburg“, der unter anderem den Lichterkranz, den Adventskranz, erfand.
- Oder Johannes Daniel Falk, 1766 bis 1826, der das weihnachtliche „O du Fröhliche“ dichtete.
Dieses ließ Stahlmann im Oktober nicht singen, aber Kuhlmann dafür „We shall overcome“ und spielte dazu verblüffend das bekannte Weihnachtslied, das einen ähnlichen Melodieverlauf und -Länge hat.
Ute Stahlmann, stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstandes, ging auf weitere Fragen zur Kirche ein. Eigentümerin der Kirche ist heute die Stiftung Stephansstift, so der frühere Vorstand Hans-Peter Daub, die nicht direkt diakonische Arbeit macht, sondern im Hintergrund die diakonische Arbeit der Dachstiftung Diakonie und ihrer Mitarbeitenden unabhängig sein lässt.
Die „Theologische Unternehmensentwicklung“ ist Teil der Dachstiftung und hat mit Pastor:innen, Diakoninnen, Küsterin und Gemeindesekretär auch Personal, das sich aber knapp finanziert aus der Umlage, beispielsweise der Jugend- und Altenhilfe, also anderer diakonischen Gesellschaften der Dachstiftung.
Gepflegt wird die Kirche von Küsterin Monika Golka und weiteren Mitarbeitenden der Dachstiftung. Der Unterhaltungsetat ist klein, weshalb für die defekte Kirchturmuhr möglicherweise Spenden gesammelt werden müssen. Auch weitere Schäden wurde zumindest jetzt erfasst.
Nicht ohne Stolz listete Ute Stahlmann die zahlreichen Gemeindetermine bis zum nächsten Treffpunkt Diakoniegemeinde am 6. Dezember, 11 Uhr auf. Anning Piepenbrink stellte eine Keksback- und Verkaufsaktion zu Gunsten der Gemeinde vor.
