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Kinder & Jugend & Familie

Hoher Besuch auf Gut Lüben

„Jedes Kind hat ein Talent“, sagte Ministerpräsident Sven Schulze (CDU), als er gemeinsam mit Staatssekretär Jürgen Böhm, Landrat Dr. Steffen Burchhardt (SPD), dem Bürgermeister von Burg, Philipp Stark, und zwei Landtagsabgeordneten das Cornelius‑Werk auf Gut Lüben besuchte. Am Dienstag, 30. Juni, kamen die Politiker*innen im Rahmen einer Fahrradtour durch das Jerichower Land vorbei und informierten sich über die Geschichte des Guts, die Arbeit in der Jugend‑ und Altenhilfe, sprachen mit Mitarbeitenden dieser Bereiche und besuchten auch die Wohngruppe „Zille‑Haus“.

Im Zille‑Haus plauderte Schulze mit den Kindern im Alter von 9 bis 13 Jahren; Leon sowie Aurora und Romy zeigten dem Landesvater ihre Zimmer. Er zeigte sich beeindruckt von dem praktizierten pädagogischen Konzept „Autorität durch Beziehung“, das der pädagogische Leiter Frank Garnich vorstellte. Darin verzichtet man auf Machtkämpfe mit den Kindern und Jugendlichen. Stattdessen gilt: „Unsere Beziehung hält; wir halten auch schwierige Zeiten aus.“ Über voraussetzungslose Beziehung erreiche man mit den jungen Menschen, was man vorher nicht für möglich gehalten hatte, und verzichte weitgehend auf Strafen oder Sanktionen.

Regionalleiterin Birgit Wille‑Voigt wünschte sich die Verstetigung der Schulsozialarbeit, nachdem man seit 2009 neunmal befristete Stellen mit großem bürokratischem Aufwand beantragen musste. Sie berichtete beispielhaft von einem gemobbten Mädchen, das mit Hilfe der Schulsozialarbeit einen Ausgleich mit den Tätern und deren Eltern erlebte und so ihren Schulabschluss erreichen konnte. In Sachsen‑Anhalt verließen 13,4 Prozent die Schule ohne Abschluss. Landrat Burchhardt meinte: „Schulsozialarbeit halten wir für einen integralen Bestandteil von Schule“, die häufig nicht in der nötigen Weise die Beziehung zu den Kindern herstellen kann. Schulze will in einer möglichen nächsten Legislaturperiode hier einen Schwerpunkt setzen und plädierte dafür, Praxisanteile in der Schule zu verstärken; denn: „Jedes Kind hat ein Talent“. Im Zille‑Haus erzählte er später den Kindern, dass er selbst in ihrem Alter eine Rechtschreibschwäche gehabt habe, die er durch viel Lesen überwinden konnte. „Und jetzt bin ich Ministerpräsident.“

Praxisanleiterin Juliane Schröder berichtete über den Fachkräftemangel in der Altenhilfe. Rudaina Alkalisli — einst schwanger aus Syrien geflohen — schilderte ihren Weg von einer ungelernten Pflegehelferin über die Ausbildung zur Pflegehelferin bis hin zur Ausbildung zur Fachkraft, die sie seit Mitte des vorletzten Jahres macht. Juliane Schröder unterstrich, wie unverzichtbar ausländische Mitarbeitende für den Betrieb in der Altenhilfe sind: Acht von 26 Auszubildenden hätten Migrationshintergrund. Schulze zeigte sich beeindruckt von den Deutschkenntnissen Alkalislis und sagte, er wünsche sich, dass sie ihre Kinder schon früher in die Krippe gegeben hätte, damit sie dort ebenfalls gut Deutsch lernen.

Die beiden Cornelius‑Werk‑Geschäftsführer Stefan Böhme und Andreas Bethge richteten an die Politik die Bitte um Unterstützung bei Bauzuschüssen für die alte Bausubstanz, nachdem sie zu Beginn kurz in die Geschichte des Guts Lüben eingeführt hatten. Zunächst war es ab 1913 eine Landeserziehungsanstalt für zwangseingewiesene, schulentlassene männliche Jugendliche; in NS‑ und DDR‑Zeiten war es jeweils auch eine ideologisch gefärbte große Jugendhilfeeinrichtung und gehört seit der Wende zum Stephansstift — heute Dachstiftung Diakonie — in Hannover. Zwischendurch war es immer wieder im Landesbesitz, was eine Brücke zu Fördermitteln aus beziehungsweise über die Staatskanzlei sein könnte.

Zuletzt besuchten die Politiker:innen eine Wohngruppe der Jugendhilfe und trafen dort auch die ehemalige Cornelius‑Werk‑Erzieherin und Autorin Dorothea Iser.

Im Bild:
Cornelius‑Werk‑Geschäftsführer Stefan Böhme (Mitte) erklärt Ministerpräsident Sven Schulze (2. von links) die Geschichte des Guts Lüben; links Landrat Dr. Steffen Burchhardt und Staatssekretär Jürgen Böhm (3. von links).
Fotos: Gunnar Schulz‑Achelis

Gruppe von Personen unter einem Pop‑up‑Zelt auf gepflastertem Platz; zwei Männer vorne (einer in gelbem Trikot), weitere Zuhörer und Autos im Hintergrund.

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