Das Diakonie-Kolleg Wolfenbüttel ist „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“. Am Mittwoch wurde das Kolleg in das Netzwerk aufgenommen, zu dem über 350 Schulen niedersachsenweit gehören. Mit Reden und gemeinsamem Lied, Diskussion und Ansagen in fünf Sprachen feierten 300 Schülerinnen und Schüler, dazu Lehrkräfte und Gäste den besonderen Moment der Enthüllung des Motto-Metallschildes.
„Wir wollen uns für Courage und gegen jede Form der Diskriminierung einsetzen“, sagte Schülervertreter Julian Meyer zum Auftakt. „Wir versprechen aktiv zu bleiben und hinzusehen, wenn jemand Unterstützung braucht“, ergänzte SV-Kollegin Emily Liebelt. „Wir schweigen nicht, wenn Menschen abgewertet werden“, meinte Schulleiter Jan-Hendrik Prüße.
In der Podiumsdiskussion wünschte sich Schülersprecherin Alea Meyer, dass in einem Jahr jeder akzeptiert wird und sich wohlfühlt und regte ein Courage-Training für Erstklässler an. Schülersprecherin Mira Hinze hofft, dass sich weiter kleine Dinge verbessern, sich auch Unbekannte mit einem freundlichen „Hallo“ begrüßen, es nicht Späße auf Kosten von anderen gibt und man sofort und direkt Entgleisungen ansprechen kann. Prüße möchte hier klare Zuständigkeiten und Strukturen etablieren. Schulsozialarbeiterin Bettina Nick erinnerte an die Powerpoint-Präsentation zu sexueller Gewalt und das geregelte Beschwerdemanagement, die seit Jahren etabliert sind.
Schüler Oliver Derksen fragte, wie man mit schwarzem Humor umgehen solle ohne als Buhmann dazustehen. Lehrerin Lena Becker meinte, man müsse zuhören, aber auch sagen: „Das sagt man heute so nicht mehr“. Der erste Stadtrat Thorsten Drahn bezeichnete Rassismus als Pest und erzählte, dass ihm als Schüler von einem Lehrer aufgetragen wurde, sich um einen neuen, türkischen Schüler zu kümmern, der durch sein Verhalten auffiel. „Bis heute ist er einer meiner besten Freunde“, sagte Drahn. Zudem bot er die Hilfe der Stadt bei Vermittlung von Vorträgen, Workshops oder Projekten an.
Nick meinte mit Blick auf die angehenden Sozialpädagogischen Assistent:innen, Erzieher:innen und Pflegekräfte am Kolleg, soziale Arbeit sei immer politisch. Prüße ergänzte: „Die Schule ist nie ein neutraler Ort im Sinne der Wertneutralität. Wir dürfen und müssen diese Werte gegen Extremismus verteidigen“. Lehrerin Nina Engbert-Kleinmeyer meinte, das Schild sei eine Einladung „dran zu bleiben und Verantwortung zu teilen“.
Laudator Benjamin Franz vom Kultusministerium findet dies hier „vorbildhaft“ und wünschte sich, dass von der Schule auch etwas rausgeht in die Gesellschaft und dort Gutes bewirkt. Schülerin Marina Stelton von der FSP 25-27 B regte im Sinne Drahns zu einem Buddy-System an, wo man sich gegenseitig bei Fragen und kleinen Problemen rund um Schule, Freizeit und Wohnort zur Seite stehen kann. Ihr Aufruf wurde durch andere Schüler:innen in arabisch, französisch, türkisch und russisch vorgelesen und machte so die Vielfalt an der Schule anschaulich.
Die Klasse FSP 26-28C sang mit der ganzen Schulgemeinschaft das Lied „Zombie“ von den Cranberries, dass auf den Nordirland-Konflikt anspielt. Die Bewerbung um das Siegel hatte Lehrerin Sina Barnstorf-Brandes vor einem halben Jahr initiiert, weil sie vieles schon an der Schule umgesetzt sieht.
Und: Zum 1. Februar sind noch Plätze frei in den Bildungsgängen Sozialpädagogische Assistenz und Pflegefachperson jeweils in Teilzeit.
