Schon gewusst, dass die Kirche falsch herum orientiert ist? Das heißt, der Altar ist nicht wie üblich nach Osten, sondern nach Westen ausgerichtet. Dies wird in der Planunterlage für den Kirchenbau damit begründet, dass die Gottesdienstbesucher durch die morgendliche Sonne nicht geblendet werden sollten. Nett, oder?!
Die Notwendigkeit eines eigenen Kirchenbaus bestand darin, dass der sonntägliche Weg zur St. Nicolai Kirche in Gifhorn für die Bewohner sehr weit war. Außderm führte sie der Weg durch die "Lästerallee der Leute". Denn trotz aller Leistungen waren die Bewohner der Diakonischen Heime in der Region häufig verachtet. Der Ausdruck zeigt, wie bedrückend es für die Männer war, die 6 Kilometer bis nach Gifhorn laufen zu müssen. Auch in der Kirche wurden sie angestarrt, sie fühlten sich gebrandmarkt und besaßen oft nicht einmal angemessene Kleidung.
Beim 25-jährigen Jubiläum der Anstalt, am 24.Juni 1908, hatte Pastor Fiesel angeregt, Gaben zum Bau einer eigenen Kirche zu sammeln. Er regte an, sogenannte „Bausteine“ zu stiften. In einem Bericht schrieb er: „Wir hätten gern eine kleine stille Kapelle für den Sonntagsgottesdienst, der jetzt schon oft mehr als 300 Seelen betragenden Anstaltsgemeinde. Unter den Gaben, die hierzu bisher schon kamen, befinden sich mehrere „Bausteine“ von früheren Kolonisten, von denen der eine schreibt: „Ich bin stolz, jetzt in dieser Weise mitwirken zu können".
Sie wurde deshalb groß genug gebaut, das alle Bewohner und Mitarbeiter dort Platz hatten.
Die „Kolonisten“ der Arbeiterkolonie (siehe Station 10) führten alle Arbeiten zum Bau der Kirche selbst durch. Die verwendeten Steine wurden in der eigenen Ziegelei gebrannt und die Findlingsblöcke, für den Unterbau des Turmes, wurden aus der Kästorfer Feldmark von den Arbeitern zusammengesammelt.
Die Kirche wurde zudem unterkellert, um auf diese Weise Lagerflächen für landwirtschaftliche Produkte zu schaffen.
Am 22.09.1912 wurde die Kirche schließlich eingeweiht.
Lazarus-Kirche
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