Standorte und Angebote

Pflege im Umbruch – ein neuer Ausbildungsgang am DKH

2020 trat das Pflegeberufegesetz für die neue generalistische Pflegeausbildung in Kraft. Für die Pflegeberufe in Deutschland war dies ein Meilenstein in der berufspolitischen und fachlichen Entwicklung. Die bis dahin separat durchgeführten Pflegeausbildungen (Gesundheits- und Krankenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sowie Altenpflege) wurden mit dieser neuen Gesetzgebung erstmalig in Deutschland zusammengeführt und somit internationalen Standards angepasst. Wie wurde der Neustart am DKH vollzogen? Welche Ressourcen genutzt, gefordert und gefördert?

Stefanie Qu., Mathias W.

 

Für die Träger der Berufsfachschulen begann eine intensive Zeit der Vorbereitung auf die Umsetzung des neuen Gesetzes. Das Diakonie-Kolleg-Hannover plante den ersten Kurs für den 01.08.2020. Vorab galt es aber noch, die neue Ausbildung umfassend zu konzipieren und die nötigen Voraussetzungen struktureller und pädagogisch-planerischer Art zu schaffen. Schließlich steht die neue Ausbildung für die Bündelung dreier bisherigen Ausbildungsgänge und somit für eine neue Ressourcenbildung in der Pflege.

Zunächst musste ein Curriculum entwickelt werden. Dann waren die praktischen Arbeitsräume neu auszustatten. In diesem Kontext wurde auch eine computergesteuerte Simulationspuppe angeschafft und die Lehrkräfte wurden im Umgang damit geschult. In verschiedenen Arbeitsgruppen haben sich die Lehrkräfte mit pädagogischen und organisatorischen Themen beschäftigt. Diese Arbeiten gehen noch weiter und werden uns sicherlich noch einige Zeit beschäftigen.

Was sagen die Schülerinnen und Schüler?

ie sich Bewerbenden müssen für die neue Ausbildung einen mittleren Schulabschluss bzw. eine abgeschlossene Vorausbildung und ein sprachliches Niveau auf dem Level B2 sowie ein makelloses Führungszeugnis und verschiedene Nachweise gesundheitlicher Eignung vorlegen.

Im August 2020 war es dann soweit: Die erste Klasse startete mit 18 Teilnehmenden. Eine Klasse, die zum bunten Charakter der Schule hervorragend passt und deren Teilnehmende mit vielfältigen persönlichen und fachlichen Vorerfahrungen seitdem den Unterrichtsalltag bereichern. Nach einer ersten praktischen Phase kamen sie in den ersten Theorieblock in die Schule und befassten sich mit den Grundlagen der Pflege. Die Schülerin Nina sagt dazu: 

„Es ist wichtig, das Gelernte fachlich in der Praxis umzusetzen.“

Der Schüler Giorgi stimmt zu und sagt: „Man muss mit den richtigen Methoden bei den Pflegebedürftigen vorgehen, und die richtigen Materialien einzusetzen, ist ebenso wichtig.“ Jan ist der Meinung, dass, „je mehr Kenntnisse und Kompetenzen man hat, desto höher ist der Wissensstand im Ganzen“, den man in der täglichen Arbeit bei den Klientinnen und Klienten zur Anwendung bringen kann.

Die Herausforderungen heißen auch hier Zeit- und Personalmangel sowie knappe Geldressourcen.

Im Verlauf des ersten Schulhalbjahres stiegen die Anforderungen an die Teilnehmenden kontinuierlich, da die neue Gesetzgebung den Beruf auch auf ein anspruchsvolles fachliches Niveau angehoben hat. So waren die Teilnehmenden in den ersten Praxiseinsätzen bereits sehr umfassend fachlich, körperlich, geistig und emotional gefordert. Es ergab sich für alle eine herausfordernde Gesamtsituation, nicht zuletzt auch durch Corona, die es zu meistern galt. Dem Schüler Abd ist es diesbezüglich wichtig zu betonen:

„Ich finde, man sollte für jeden Menschen genug Zeit haben.“

Hier wird deutlich, dass auch unsere Auszubildenden sehr schnell mit den aus den Medien bekannten Problemen im Gesundheitswesen konfrontiert waren: Zeitmangel, knappe Geldressourcen, Personalmangel.

Ganz praktische Themen beschäftigen die Auszubildenden ebenfalls. Peter: „Das rückenschonende Arbeiten ist wichtig, wenn man den Beruf länger ausüben möchte.“ Tilda weist auch auf Aspekte des Arbeitsschutzes hin und meint: „Man sollte gutes Schuhwerk beim Arbeiten tragen, damit man von den Füßen her nicht belastet ist und auch ein sicheres Arbeiten hat.“ Dies bestätig auch Diyora: „Sicheres Arbeiten ist auch Priorität für die Gesundheit der Patienten und der Pflegenden, z. B. die Sicherheit bei der Mobilisation.“ Die Gesundheitsförderung und die Prävention nehmen also einen hohen Stellenwert im praktischen Handlungsfeld der Pflege ein.

 

Anforderungen, Fürsorge und Ressourcen

Ganz wichtig: der starke Rückhalt von Familie und Kollegen als soziale Ressource

Die Anforderungen an die Auszubildenden sind vielfältig, so viel ist ihnen bereits klar geworden. Nicht zuletzt auch soziale und personale Ressourcen sind hier unerlässlich. Vanessa beschreibt: „Um den Beruf langfristig ausüben zu können, sollte man Berufliches und Privates trennen können und professionell bleiben, damit man keine psychischen Probleme bekommt.“ Nadine wirft ein:

„Für die Pflege brauche ich einen starken Rückhalt von meiner Familie und Kollegen"

und verweist damit darauf, dass auch soziale Faktoren für die Pflegekräfte von großer Bedeutung als Ressourcen sind. „Auch die Arbeit an sich kann soziale Ressourcen hervorbringen“, erläutert Philipp. Er meint damit, dass die Auszubildenden während ihrer praktischen Arbeit auch aktiv psychosoziale Ressourcen aufbauen können – z. B. durch den Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen im Team.

Alle haben verstanden, dass es wichtig ist, auf sich selbst zu achten und Fürsorge für sich zu übernehmen. Mia sagt: „Wenn man krank ist, hat man in diesem Beruf nichts auf der Arbeit zu suchen.“ Egor betont, dass es wichtig ist, „eigene rechtliche Grenzen und die der Pflegebedürftigen zu berücksichtigen“.

Mit Spaß, sozial und gegen Mobbing – die erste „Generalistik-Klasse“ des DKH

Am Ende sind sich alle einig: Die Pflege ist eine Aufgabe direkt am Menschen und Anna ruft: „Hauptsache sozial!“ Majed stimmt dem zu und ergänzt: „Lasst uns gemeinsam gegen Mobbing in der Pflege kämpfen – keine Ausgrenzungen von Kollegen, egal in welcher Berufsgruppe!“

Abschließend fasst Meggi für sich zusammen: „Geduld ist das A und O in der Pflege. „ Nico ergänzt mit einem Grinsen: „Mit Spaß an der Arbeit geht's besser.“

Als Lehrkräfte und praxiserfahrene Pflegekräfte freuen wir uns sehr, dass die Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner der Zukunft mit so viel Freude bei der Sache sind, die Herausforderungen so gut meistern und wir sie auf ihrem Weg zur professionellen Pflegekraft begleiten dürfen.

 

 

Jede Spende hilft! Spenden