Standorte und Angebote

„Wir unterwerfen uns Corona nicht"

Die Schule hat wieder begonnen. Damit der Schulstart trotz Corona gelingt, müssen einige Maßnahmen beachtet werden.

Pausenhof der Ludolf-Wilhelm-Fricke-Schule in Hannover am ersten Schultag nach den Ferien: Fünf Jungs kicken einen Ball über das Spielfeld, auf der großen Schaukel schwingen sich zwei Kinder in die Luft und an der Wippe gibt’s gerade eine kleine Auseinandersetzung, wer als nächstes dran darf. Am Rand des Hofes steht der Lehrer und beobachtet die Szene. Alles wie immer. Alles wie immer? Nicht ganz: die kickenden Jungs, die Mädels auf der Schaukel und die Kinder an der Wippe tragen Mund-Nase-Masken. „Eigentlich wären in der Pause noch mehr Kinder auf dem Schulhof, aber wir haben die Pausenzeiten stärker gestaffelt als sonst“, sagt Schulleiter Daniel König. 


In der Schule werden Mädchen und Jungen mit Förderbedarf im sozialen und emotionalen Bereich unterrichtet, Kinder, die manchmal Schwierigkeiten haben, sich an Regeln zu halten oder in Gemeinschaft einzufügen. Sind unter diesen Voraussetzungen besonderer Vereinbarungen und Maßnahmen in Sachen Corona-Schutz erforderlich? Schulleiter König verneint, verweist darauf, dass hier die gleichen Anforderungen gelten wie an allen anderen Schulen auch. 


Es gibt gestaffelte Pausenzeiten, diese haben in der zur Dachstiftung Diakonie gehörenden Förderschule aber nichts mit Corona zu tun. „Wir haben ohnehin kleinere Lerngruppen, die individuell nach den Bedürfnissen der Kinder Pause machen. Aktuell schauen die Lehrkräfte und Pädagogen, bevor sie rausgehen, ob der Schulhof schon voll ist. Aber wir mussten dafür keine Höchstzahl definieren oder neue Regeln formulieren“, beschreibt der Schulleiter die Situation.


Im Kollegium habe es keine Vorbehalte gegeben, alle seien sich einig gewesen: „Wir unterwerfen uns Corona nicht, wir lernen damit zu leben“, bringt König die Einstellung auf dem Punkt. Das macht sich daran fest, dass auch Schulveranstaltungen wie gehabt geplant werden. Weder die Weihnachtsfeier noch das Herbstfest soll gestrichen werden. „Da ist unsere Fantasie gefragt, solche Veranstaltungen passend zu den gegenwärtigen Bedingungen zu gestalten.“ Das gilt auch für den ersten Schultag, zu dem am Montag 38 neue Mädchen und Jungen erwartet werden und der für alle ein schönes Erlebnis werden soll.


Aktuell werden an der Schule rund 300 Kinder und Jugendliche unterrichtet: im Schulgebäude an der Kirchröder Straße, in Kooperationsklassen an anderen Schulen im gesamten Stadtgebiet, in der Außenstelle in Borstel und in Intensivpädagogischen Lerngruppen an ganz unterschiedlichen Standorten. Wie hat Corona das letzte Schulhabjahr für sie beeinflusst? „Alle waren ziemlich froh, dass irgendwann wieder Schule stattfand – hier kamen übrigens die meisten gleich mit Maske an, obwohl sie nicht vorgeschrieben war.“ Er könne nicht bestätigen, dass weniger Unterrichtsstoff vermittelt wurde. „Die Kinder haben im letzten Halbjahr vielleicht nicht ganz so viel geschafft, andererseits hatten wir noch kleinere Lerngruppen als sonst und dadurch war der Unterricht sehr viel intensiver.“   


Das digitale Lernen sei in der Schule noch kein großes Thema gewesen, hier habe es durch Corona und die erforderlichen neuen Lern- und Lehrmöglichkeiten einen Schub gegeben, räumt Daniel König ein, um ein Lob an seine Kolleginnen und Kollegen hinterherzuschieben: „Das Kollegium hat die Zeit intensiv für Fortbildung genutzt, da ist ganz viel passiert.“ Zuvor sei der Medienunterricht auf die Präventionsarbeit fokussiert gewesen. Viele Schülerinnen und Schüler besitzen und benutzen Smartphones, wüssten aber oft nicht die grundlegenden Dinge über Persönlichkeitsrechte. Dass man ein Tablet zu etwas anderem als zum Internetsurfen nutzen kann, sei vielen nicht bewusst. „Hier steuern wir jetzt nach. Dank der zugesagten Landesmittel für Digitalisierung und einem  Zuschuss der Dachstiftung Diakonie werden 48 Notebooks angeschafft, damit die Kinder bei diesem Lernthema nicht abgehängt sind.“ Erklärtes Ziel der Förderschule ist die Rückführung der Kinder an inklusive Schulen in ihrem Wohngebiet. 


Erst mal ist jetzt für die bisherigen und die vor allem für die neu dazugekommenen Mädchen und Jungen Schulalltag – trotz Corona und mit den dazugehörenden Maßnahmen – vor allem aber mit „richtigem“ Unterricht.
 

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